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13. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus - textlinguistische Analyse - 1. Teil

1. 3. 2010

Textanalyse

13. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus

Textlinguistik

5. Februar 2010, verbessert 30. November 2012

Kursleiterin: PhDr. Tamara Bučková, Ph.D.

Verfasser: Jiří Janíček, ČJ-NJ

janicek27/zawinatsch/gmail.com


Motto:

 

Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und viel Studieren ermüdet den Leib.

 

(Das zweite Nachwort des Buchs Kohelet)


Inhalt

 

Textlinguistik.............................................................................................................................. 4

Einleitung.................................................................................................................................... 4

Gleichnisse.............................................................................................................................. 5

Das Matthäus-Evangelium im Kontext der Bibel................................................................... 5

Pretexte des Matthäus-Evangeliums....................................................................................... 6

Makrostrukur und Mikrostruktur................................................................................................ 6

Struktur des T1 als Makrotextes............................................................................................. 7

Formale Struktur................................................................................................................. 7

Semantische Beziehungen.................................................................................................. 7

Textualität................................................................................................................................... 9

Kohäsion................................................................................................................................. 9

1. Substitution................................................................................................................... 10

1.1 Pro-Formen................................................................................................................. 10

2. Rekurrenz...................................................................................................................... 11

Isotopie............................................................................................................................. 12

3. Ellipse........................................................................................................................... 13

4. Parallelismus................................................................................................................. 14

5. Junktion........................................................................................................................ 15

6. Tempus.......................................................................................................................... 16

7. Spezielles...................................................................................................................... 16

Kohärenz............................................................................................................................... 17

Thema-Rhema-Analyse..................................................................................................... 17

Intentionalität....................................................................................................................... 19

Akzeptabilität....................................................................................................................... 19

Informativität........................................................................................................................ 19

Situationalität........................................................................................................................ 20

Entstehung der Struktur des (finalen) Textes................................................................... 20

Intertextualität...................................................................................................................... 21

Pretexte............................................................................................................................. 21

Weltwissen-Forderungen.................................................................................................. 23

Aus dem Text stammende Phraseologismen.................................................................... 23

Résumé................................................................................................................................. 24

Literatur................................................................................................................................ 25

Internet................................................................................................................................. 26

Quelle.................................................................................................................................... 26

 

 


Textlinguistik

Die Textlinguistik (auch Textologie, Translinguistik) enstand als eine neue Sprachdisziplin in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, ursprünglich als eine Anwendung der Regeln der Syntax auf höhere Einheiten des Textes als ein Satz (Textgrammatik). Die Textlinguistik in der heutigen Fassung hat zwei Zwerge: Textsemantik und Textsyntax (Synonyme Textgrammatik, Hypersyntax, Makrosyntax, Supersyntax, Suprasyntax oder Thransphrasistik (Greimas)).

Die Grundeinheit eines Textes (einer Textstruktur) ist ein Textem. Das Textem wird unterschiedlich definiert. PÄTZOLD gibt an, dass es die kleinste Einheit des Textes ist, konkret ein logisches Prädikat, das mit höchstens vier Aktanten ergänzt werden kann; [1] [2] manchmal wird es als ein Satz, Proposition, Aussage oder ein minimales Kommunikat verstanden.[3]

 

Einleitung

Das Evangelium nach Matthäus (oder, mit der älteren Form, Matthäi, kurz Matthäus-Evangelium) ist das erste Buch des Neuen Testaments, des zweiten Teils der christlichen Bibel (im Unterschied zu der hebräischen Bibel). Sein Author ist der Tradition nach der Apostel Matthäus (mit dem ursprünglichen Beruf Zöllner), ein der Zwölf Apostel Jesu (kurz nur der Zwölf).[4] Es ist ein der drei synoptischen Evangelien (zu denen Mathäus, Markus und Lukas gehören), d. h. Evangelien, die besondere Ähnlichkeiten in der Struktur und Inhalt aufweisen (im Unterschied zum Johannes-Evangelium). Das Johannes-Evangelium untercheidet sich von den anderen drei in verschiedenen Weisen, unter anderem auch damit, dass sie keine Gleichnisse (im engeren Sinne) aufführt (enthält nur Bilder (Metapher) wie „ich bin der Weg“, „ich bin die Tür“ u.a., vgl. von ALLMEN, 192-193). Außer diesen kanonischen (biblischen) Evangelien gibt es auch außerbibliche (außerkanoniche) Evangelien, die in den biblichen Kanon nicht aufgenommen worden sind – z.B. das Thomas- oder Nikodemusevangelium. Um eine einheitliche Synthese der vier Evangelien bemühen sich die Diatessara (Sg. Diatessaron oder Evangelienharmonie), davon das älteste das Tatian-Diatessaron (manchmal kurz nach dem Author nur als Tatian bezeichnet), das gegen 170 entstand, ist.

         Gleichnisse

            Ein Gleichnis oder Parabel (aus griech. parabolé (eigentl. „das Nebeneinanderwerfen“), zu parabállein „vergleichen“[5]) nennt das Neue Testament nicht nur das, was wir heute unter diesem Terminus verstehen, d. h. „einen in eine Erzählung verbreiteten Vergleich“, sondern auch ein Sprichwort (Lk 4,23) oder einen einfachen Vergleich (Mk 13,28) (von ALLMEN, 192). (Bemerkung: ČEP bezeichnet Lk 4,23 auf derselben Stelle als „příslovípoučení (Belehrung)“ mit der Textvariante „podobenství (Gleichnis)“.) Das Gleichnis als Genre verwendet in der christilichen Literatur nur Jesus.[6] Außer des 13. Kapitels aufführt Matthäus Gleichnisse auch in 22,1-14, 24, 45-50 und 25,1-13.14-30. (Sprichwort)“; Mk 13,28 als „

Das Matthäus-Evangelium im Kontext der Bibel

            Bibel, auch Buch der Bücher genannt, ist eigentlich eine Sammlung von Bücher. Die christliche Bibel hat zwei Hauptteile: Altes (AT) und Neues Testament (NT). Altes Testament wird mit drei Gruppen der Bücher gebildet: ToraNevi'im (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Neues Testament besteht aus den vier Evangelien, den Apostelgeschichten, den Briefen und der Offenbarung des Johannes (Apokalypse). Die Katholiker unterscheiden sich von den Protestanten in Frage des Kanons des Alten Testaments. Protestantische Bibel dann bestehen aus 39 Bücher Alten Testaments und 27 Bücher Neuen Testaments, d. h. zusammen aus 66 Bücher, katholische Ausgaben aus 45 Bücher des Alten Testaments und ebenso 27 des Neuen, d. h. 72 Bücher. Der Unterschied bilden die sog. deuterokanonische (katholische Bezeichnung) oder apokryphe  sind.[7] Die Orthodoxe Kirche hält den katholischen Kanon, bereichert um einige andere Bücher, wie 1. Buch Esra und 3. Makkabäer. (Weisung), (protestantische Bezeichnung) Bücher, die nur in der Septuaginta, der ersten griechischen Übersetzung des Alten Testaments, und nicht in dem vorausgesetzten hebräischen Original überliefert

 

Pretexte des Matthäus-Evangeliums

Ihre Quellen sind (ebenso wie beim Lukasevangelium) zwei, und zwar das (ältere und kürzere) Markusevangelium und sog. Quelle Q (Logienquelle, eine Sammlung Sprüchen und Reden Christi).[8]

 

Makrostrukur und Mikrostruktur

Die Begriffe Makrostruktur und Mikrostruktur sind immer relativ; sie haben seinen Sinn und Begründung nur im festgelegten Kontext (VATER, 87-93).

Unseren Text (als einen Makrotext) kann man wohl in diese Mikrotexte teilen:

 

T1 – 13. Kapitel des Matthäus-Evangelium – der eigene Text des Evangeliums, unser Forschungstext

 

T2 – Verweisende Bemerkungen – Verweise auf andere Bibelstellen, wo das selbe Thema verarbeitet ist, in Form der (angeführten) Kürzel der eigentlichen biblischen Bücher. Angegeben unter dem eigenen Text (unter der zweiten Spalte für beide Spalten zusammen), über der Linie.

z.B. : 10-17║Mk 4,10-12, Lk 8,9f = hinsichtlich der Versen 10-17 diesen (= 13.) Kapitels vergleiche Versen 10-13 des 4. Kapitels des Markus-Evangeliums und den 9. und nachfolgende Verse des 8. Kapitels des Lukasevangeliums

 

T3 – Inhaltliche Bemerkungen – Bemerkungen, die einzigen Stellen im Text erläutern sollen, historische, sprachliche, kulturhistoriche oder religiöse (bzw. exegetische) Bemerkungen. Angegeben unter der Linie, unter beiden Spalten (wohl wegen ihren Umfang) als ein zusammenhängender Text.

            z.B.: 13,33 unter einen großen Trog Mehl (Wortlaut im Text), wörtlich: unter drei Sea Mehl. Eine Sea entspricht etwa dreizehn Litern. (Vgl. ČEP: tři měřice mouky („drei Metzen Mehl“), ebenso auch Bible Kralická (nach der letzten Ausgabe aus 1613),[9] beide ohne weiteren Erläuterungen; Sea (aus hebräischen sea) ist nach ČEP „abgerundet 12 Liter“, nach Reclaims Bibellexikon „etwa 13 Liter“.[10] [11] Das Wort Sea ist als ein Zitatwort einzusehen (keine Angabe in Duden-Universallexikon (2006), Duden – Das große Fremdwörterbuch (2000), DUDEN – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache (1999) noch die Gesamtdatabase unter www.duden.de).

Weiter werden wir uns nur mit dem T1 beschäftigen.

 

Struktur des T1 als Makrotextes

Formale Struktur

M0: 13. Kapitel (des Evangeliums nach Matthäus)

M1: M1.1: Sämann-Gleichnis

M1.2: Sinn und Zweck der Gleichnisse

M1.3: Deutung des Gleichnisses vom Sämann

M1.4: Unkraut-G.

M1.5: Senfkorn-G.

M1.6: Sauerteig.-G.

M1.6: Bedeutung der Gleichnisse

M1:7: Bedeutung des Gleichnisses vom Unkraut

M.1.8: Schatz- und Perle-G.

M1.8.1: Schatz-G.

M1.8.2:Perle-G.

M.1.9: Fischnetz-G.

M.1.10: Kontrolle des Verständigens

M1.11: Die Ablehnung Jesu in seiner Heimat

 

Legende:

G. = Gleichnis

 

 

Semantische Beziehungen

SM0: 13. Kapitel (des Evangeliums nach Matthäus) = (Gleichnisse, Deutungen von zwei von ihnen, Kontrolle der Verständnisses) und (Die Ablehnung Jesu in seiner Heimat)

SM1: [SM1.1: Sämann-G. – SM 1.2: Unkraut-G. – SM 1.3: Senfkorn-G. – SM 1.4: Sauerteig-G. –– (SM1.5: Schatz-G. – SM1.6: Perle-G.) – SM1.7: Fischnetz-G. – SM1.8: Abschluß der Rede] – [SM1.9: Ablehnung Jesu in seiner Heimat]

 

SM2: Sinn und Zweck der Gleichnisse – Die Bedeutung der Gleichnisse – Anschluß der Rede (sich auf das SM1.1-SM1.8 als Ganzes bezieht, trotz seiner Platzierung schon nach dem ersten Gleichnis)

Kommentar

 

Dabei man unseren Text als ein Mikrotext in Beziehung auf das Matthäusevangelium, und das als ein Mikrotext mit Bezug auf das Neue Testament, und das mit Bezug auf die ganze Bibel klassifizieren kann. Die Gesamteinordnung der einzelnen Textebenen könnte man wohl wie folgend aufzeichnen:

 

M-3: Bibel

M-2: Neues Testament

M-1: Matthäusevangelium

--- M.0: 13. Kapitel des Matthäusevangeliums (T1) (zu ↑ Mikrotext; zu ↓ Makrotext) ---

M1: Subkapiteln des T1:

M1.1: Sämann-G.

M1.2: Sinn und Zweck der Gleichnisse

M1.3: Deutung des Gleichnisses vom Sämann

M1.4: Unkraut-G.

M1.5: Senfkorn-G.

M1.6: Sauerteig.-G.

M1.6: Bedeutung der Gleichnisse

M1:7: Bedeutung des Gleichnisses vom Unkraut

M.1.8: Schatz- und Perle-G.

M1.8.1: Schatz-G.

M1.8.2:Perle-G.

M.1.9: Fischnetz-G.

M.1.10: Kontrolle des Verständigens

M1.11: Die Ablehnung Jesu in seiner Heimat

 

 

Textualität

Die Textualität ist eine Bezeichnung für eine Menge von Phänomenen, die „etwas zum Text machen“. Nach BEAUGRANDE/DRESSLER (1981) gibt es sieben Merkmale der Textualität, die von vielen Anderen übernommen sind (VATER (mit Vorbehalten), HEINEMANN/VIEHWEGER u. A.), werden aber nicht allgemein erkannt (vgl. HAUSENDORF/KESSELHEIM, 23f.). Selbst die Authoren diser Fassung machen darauf aufmerksam, „dass man von einer endgültigen Lösung [des Textualitätskonzepts] weit entfernt ist“.[12]

Die sieben Merkmale der Textualität nach BEAUGRANDE/DRESSLER (1981) sind Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität. Nur die Erfüllung aller sieben Kriterien macht einen Text zum Text (BEAUGRANDE/DRESSLER 1981, 3 nach VATER, 31). HEINEMANN/VIEHWEGER gibt diese Ankuft, auch aus BEAUGRANDE/DRESSLER, anders an: „Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text als nicht kommunikativ[13]kommunikativer Text gelten wird). Die Definition der Textualität bleibt allerdings uneinheitlich.[14] (also nicht, dass es sich um keinen Text handeln wird, sondern dass der Text nicht als ein

 

Kohäsion

Die Kohäsion ist ein Merkmal der Textualität, das die Verbindungen unter der Ausdrücken (Wörtern) in der Oberflächenstruktur des Textes beschreibt.

Die Grundarten der Äußerung der Kohäsionsbeziehungen in einem Text sind die Substitution (ein Ersatz eines Ausdruckes mit einem anderen), (partielle oder totale) Rekurrenz (Wiederholung der Ausdrücke), Ellipse (Ausslassung) und Junktion (Wörter, die die semantische Beziehungen zwischen Sätzen äußern) und die Art des benutzen Tempus.

 

1. Substitution

Die Substitution ist ein Ersatz eines Ausdruckes mit einem anderen; entweder mit einem Synonym, oder mit einem Ausdruck mit einem niedrigeren Aussagewert, wie Pro-Formen (vor allem Pronomen und Artikel, weiter Proadverben und Proverben).

 

Beispiele aus dem Text (Mt 13,1-14):

er – Jesus

die Leute – die bevorgenannte Menschenmenge

ihnen – der bevorgenannten Menschenmenge

er – Jesus

ihnen – der bevorgenannten Menschenmenge

dem – dem, der hat (12. Vers)

dem – dem, der nicht hat

ihnen – den Leuten

 

Bemerkung:

(An) jenem (Tag) (V. 1) ist eine nur scheinbare „Quasisubstitution“ – rein aus dem Text herauskommend konnte man meinen, dass wir vom Kontext nicht wissen, um was für einen Tag sich es handelt; was ein Merkmal dafür ist, das ein Teil des Textes vor diesem Text fehlen muss. Es ist aber anders, wie eine erleuternde Bemerkung der Jerusalemer Bibel angibt: es geht nur um einen „stereotypenÜberleitungsausdruck (einen Ausdruck, der die Rede zu einem anderen Thema überleitet) „ohne chronologische Bedeutung“.[15]

 

 

1.1 Pro-Formen

Proformen ist eine Sammelbezeichnung für die Wörter, die eine anaphorische oder deiktische Funktion haben (VATER, 118), d.h., sie sind ein semantischer Ersatz oder Hinweis auf ein anderes Wort, das eine tiefere semantische Gültigkeit hat. Die Pro-Formen schließen Proadverbien (z.B. daher), Pronomen, besonders Demonstrativ- und Possesivpronomen, und Proverben (besonders machen, tun; engl. to do, tsch. dělat) ein.

Possesivpronomen:

auf seinen Acker (auf den Acker jenes Mannes, V. 24)

Jesus kam in seine Heimatstadt (Heimatstadt  Jesu, V. 54) u. a.

Proadverbien:

dort (erst im V. 58!) - in seiner Heimat

 

2. Rekurrenz

Die Rekurenz ist (neben der Substitution) ein anderes Mittel zum Ausdrücken der Koreferenz, d. h. der Identïtät der Referenten. Sie kann aber auch Ausdrücke mit unterschiedlichen Referenten bezeichnen (VATER, 35). So z.B. im Satz Ich bin Deutsche und Ich bin Schwede ist das Pronomen ich rekurrent, drückt aber keine Koreferenz aus. Wenn der Ausdruck in der identischen Form wiederholt wird, nennen wir diese Erscheinung eine totale Rekurrenz.

Auch nur einzige Morpheme können rekurrent sein und damit eine Kohäsionsfunktion erfüllen (z.B. Brüderchen und Schwesterchen). Dieses bezeichnet man als eine partielle Rekurrenz. Eine andere Art der partiellen Rekurrenz ist der Fall, in dem sich die Wortform ändert (mittlers der Beugung, Ableitung oder Zusammensetzung, wie bei der Reihe Grab – Gräber – Gräbergrab - begrub (VATER, 36).

 

„Die einmalige oder mehrmalige Wiederkehr des gleichen Referenten im Text wird als textuelle Rekurrenz bezeichnet.“ Die Rekurrenz kann man mit nominalen oder pronominalen Mitteln ausdrücken. (Weinrich, S. 368)

 

Beispiele aus dem Text:

2. 1 Partielle Rekurrenz:

Er sprach und (...) er sagte (V. 3)

Sämann – um zu säen – säte (V. 3-4)

            versengt und verdorrt (V. 6)

hundertfach, sechzigfach, dreißigfach (V. 8)

            ist gegeben – ist nicht gegeben (V. 11)[16]

            hat – haben – nicht hat – hat (V. 12)

            sehen – nicht sehen (V. 13)

            hören – nicht hören (V. 13)

            sehen – seht – nicht gesehen (V. 17)

hören – hört – nicht gehört (V. 17)

 

2. 2 Totale Rekurrenz

die Dorner (V. 7)

hören (V. 14)

sehen (V. 14)

sollt (V. 14)

aber (V. 14)

 

Isotopie

Die Substitution (durch Synonyme, Hypo-/Hyperonyme, auch durch Antonyme u. A. oder mittels Proformen) und Rekurrenz (Repetition) erzeugen zusammen die Isotopieketten (Topikketten), d.h. Reihen der Lexeme mit der semantischen Äquivalenz (wobei es zu einer Semrekurrenz kommt). In den neueren Arbeiten wird als die zweite Bedingung der Isotopieralation die Koreferenz angegeben, d. h. die Existenz der Hinweisung auf die selbe Erscheinung der Wirklichkeit (was bei einer reinen Semrekurrenz nicht immer der Fall sein muss: z.B. die Wörter FahrerFahrer in einem Text können immer einen anderen Fahrer meinen).  Mehrere Isotopieketten bilden ein Isotopienetz des Gesamttextes. Der Isotopieansatz stammt von der französischen Semiotiker litauischer Herkunft Algirdas Julien Greimas (1966), einer der Begründer der Pariser semiotischen Schule.[17]

 

Beispiel aus dem Text:

Die Rede über das Himmelreich: 13,1-53

Das Gleichnis vom Sämann

1 An jenem Tag verließ Jesus (J1) das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees (U1).

2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge (M1) um ihn. Er (J2) stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute (M2) aber standen am Ufer (U2).

3 Und er (J3) sprach lange zu ihnen (M3) in Form von Gleichnissen. Er (J4) sagte: Ein Sämann (S1) ging aufs Feld, um zu säen.

4 Als er (S2) säte, fiel ein Teil der Körner (T1) auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie.

5 Ein anderer Teil (T2) fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde (E1) gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich (E2) nicht tief war;

6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat (T3) versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7 Wieder ein anderer Teil (T4) fiel in die Dornen (D1) und die Dornen (D2) wuchsen und erstickten die Saat (T5).

8 Ein anderer Teil (T6) schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht (F1), teils hundertfach (F2), teils sechzigfach (F3), teils dreißigfach (F4).

9 Wer Ohren hat, der höre!

 

Seme, die immer völlig koreferent sind:

J1-J4 – Jesus

U1-U2 – Ufer (des Sees)

M1-M3 – Menschenmenge

S1-S2 – Sämann

E1-E2– Erde, Erdreich

D1-D2 – Dornen

F1-F4 – Frucht (bei F2-F4 ist das Wort Frucht ellidiert)

 

Seme mit partieller Koreferenz:

T1-T6 – Teil der Körner (T1, T2, T4 und T6 sind Kohyponyme (Meronyme) des zu ihnen bezüglichen Hyperonyms (Holonyms, der ellidierten „gesamten Saat“);

T2 und T3; T4 und T5 sind gegenseitig koreferent (Referent T2 = Referent T3 und Referent T4 = Referent T5)

 

 

3. Ellipse

Die Ellipse (aus griech. έλλειψις ellipsis „Ausslassung“) ist die sprachliche Erscheinung, bei der man den Teil der Außerung nicht wiederholt, der für das Verständnis der Äusserung nicht nötig ist, und als solche wird sie zum Ausdruck der sprachlichen Ökonomie.

Beispiele aus dem Text:

setzte sich (Jesus)

ein anderer Teil (= der Saat)

ging (die Saat)

sagten ihm (die Jünger)

er antwortete (den Jüngern)

 

4. Parallelismus

Der Parallelismus ist eine rhetorische Figur, die in zwei Formen auftreten kann: in einer semantischen und einer syntaktischen (NEKULA in ESČ, 309). Die syntaktische, die als enzige HAUSENDORF/KESSELHEIM[18] aufführt, besteht in der Wiederholung der syntaktischen Konstruktionen, manchmal auch indem, dass beide (oder mehrere) Sätze dieselbe Zahl der Wörter aufweisen. VATER und HEINEMANN/VIEHWEGER den Parallelismus nicht erwähnen.

 

Beispiele aus dem Text (Auswahl):

I) 4 Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie.

5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

1) ein (...) Teil fiel auf (...) (4x)

2) teils (– teils – teils, 3x)

 

II) 10 Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?

11 Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben.

Schema Frage – Antwort (2x)

 

III) 12 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Zwei semantisch analogische (antonymische, antithetische) Konstruktionen.

 

IV) 14 An ihnen erfüllt sich die Weissagung Jesajas: Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen.

Rekurrenz der Konstruktionen mit dem Modalverb, des Verbs im Infinitiv sowie der Nagation im Ende jedes Teilsatzes.

 

V) Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun?

55 Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?

56 Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles?

57 Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.

Die Äußerung des Erstaunens und Mißtrauens in Form der (eher rhetorischen) Fragen.

 

5. Junktion

Die Junktion ist eine besondere Art des textuellen Zusammenhalts.[19] Es ist ein fakultatives Kohäsionsmittel.

 

Zu den Junktionen gehören die Präpositionen, die Relativ-Junktoren (Relativ-Pronomina was, wer, wo, wie, Präpositional-Relative (z.B. Der kleine Planet, auf dem wie leben) und Genitiv-Junktor (Das Labor, dessen Aufgabe die Forschung ist), die Konjuktionen („unterordnende Konjunktionen“) und die Parajunktoren („nebenordnende Konjunktionen“, z.B. Komparativ-Junktore wie und als ).[20]

 

Beispiele aus dem Text:

Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich ((logische) Konjuktion, V. 2)

... die Leute aber standen am Ufer. (Die Fortsetzung des vorgehenden Teilsatztes)

Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. (Äußerung vom Zweck, V. 3)

... weil das Erdreich nicht tief war (Begründung, Grund, V. 5)

 

6. Tempus

Als ein Kohäsionsmittel dient auch das Tempus. Die Benutzung des selben Tempus hilft dazu, einen Vorgang als eine Einheit wahrzunehmen. Unser Text bietet uns eine bunte Palette der Tempora an:

Das Gleichnis vom Sämann – Präteritum (außer des letzten Verses, der im atemporalen Präsens ist: 9 Wer Ohren hat, der höre!)

Sinn und Zweck der Gleichnisse – nach der Einleitung, die auch im Präteritum steht, ist die ganze eigene Mitteilung im Präsens (direkte Rede)

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann – Präsens und Perfekt (mit der Präsens-Bedeutung: Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen...)

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, vom Senfkorn und Sauerteig: Immer ist nach der Einleitung, die im Präteritum steht, das Gleichniss in der Kombination des Präsens und Präteritums geschrieben

Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut: Einleitung im Präteritum, das Erläutern des Gleichnisses mit Benutzung des Präteritums, Präsens, Futur I. und auch Perfekts (in dieser Reihenfolfe).

Die Benutzung der Tempora, als auch die semantische Begrenzheit einziger Einheiten („Subkapitel“, mit den Überschriften) zeigt klar, dass es sich eigentlich um mehrere (Mikro)texte handelt.

 

7. Spezielles

Ein besonderes in der Bibel benutztes Kohäsionsmittel ist die Bezeichnung den Versen mit kleinen Nummern (Indizes), die eine Reihe nachfolgender Ziffer bilden (im 13. Kapitel 1-58). Eine ähnliche Teilung in Versen (in sog. Āya, Pl. Āyat) weist auch der Koran auf.

2. Teil der Analyse hier


 

[1] HEINEMANN/VIEHWEGER, S. 26-27

[2] PÄTZOLD, Jörg: Textgrammatik, Textlinguistik, Textsemantik, Textsyntax, Textem  in: Metzler Lexikon

[3] NEKULA, Marek: Textém in: ESČ, S. 490

[4] Reclaims Bibellexikon, S. 329

[5] KLUGE, S. 679

[6] Novotný, Bd. II, S. 654

[7] Novotný, Bd. I, S. 32, 71-75

[8] Reclaims Bibellexikon, S. 316.329

[9] erreichbar online: http://www.etf.cuni.cz/~rovnanim/bible/k/Mt13.php

[10] Reclaims Bibellexikon, S. 328

[11] ČEP, S. 12

[12] zitiert nach HEINEMANN/VIEHWEGER, S. 77

[13] S. 76, vgl. S. 77

[14] PÄTZOLD, Jörg: Textulität in: Metzler Lexikon, S. 639

[15] Neue Jerusalemer Bibel, S. 1400

[16] Die Negation ist eine Art der Modifikation der Aussage/des Ausdrucks. Die Tatsache, dass man im Deutschen die „Negationwörter“ diskret, d.h. getrennt schreibt, an der Sache, unserer Meinung nach, nichts ändert. Deswegen zählen wir die negierten Formen zur partiellen Rekurrenz.

[17] HEINEMANN, S. 38-40

[18] S. 65-66

[19] WEINRICH, S. 609

[20] WEINRICH, S. 22, 769ff.

 

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